Lebensmittel - vegan │ vegetarisch
Recht, Herausforderungen, Handlungsoptionen
eine umfassende Analyse

Autorin: Nina Höller
Herausgeber: Prof. Dr. Alfred Hagen Meyer
1. Auflage Oktober 2020

Preis: 49,90 € inkl. MwSt (plus Versandkosten)

Lebensmittel - vegan │ vegetarisch

Inhaltsverzeichnis

„Wenn das Ziel ist, dass weltweit weniger Fleisch gegessen wird, sollte dieses Ding auch Burger heißen dürfen“ (Wulf, 2019).

Die Rede ist in diesem Zitat von den fleischfreien Beyond Meat Burgern, hergestellt aus Erbsenprotein und produziert von einer amerikanischen Firma, die im Mai 2019 an die Börse ging (Rolf, 2019). Die Autorin spricht sich in ihrem Kommentar zur Kennzeichnung vegetarischer und veganer Lebensmittel für eine möglichst einfache Kennzeichnung solcher Erzeugnisse aus. Sie plädiert in diesem Zusammenhang für die Verwendung von Bezeichnungen, mit denen üblicherweise Fleischprodukte benannt werden. Es sei anzunehmen, dass in der Folge mehr Menschen zu Ersatzprodukten griffen und sich der Fleischkonsum weltweit reduzieren würde (Wulf, 2019).

Die Darstellung der Autorin trifft den Kern der Diskussion um die Kennzeichnung veganer und vegetarischer Lebensmittel und eröffnet gleichzeitig den Diskurs um den Stellenwert fleischloser und pflanzlicher Erzeugnisse. Die Gründe, eine vegetarische oder vegane Lebensweise für erstrebenswert zu erachten, sind vielschichtig, individuell und oft mit Emotionalität aufgeladen. Häufige Motive für den Verzicht auf tierische Produkte sind unter anderem die Vermeidung von Tierleid und der damit verbundene Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz (Rexroth/Oberthür, 2019; Leitzmann, 2001; Hopp et al., 2017).

Die Debatte um die Kennzeichnung veganer und vegetarischer Lebensmittel verläuft angesichts der zahlreichen davon berührten Parteien und unterschiedlichen Ansichten kontrovers. Verbraucher wünschen eine möglichst leicht verständliche, transparente und zuverlässige Kennzeichnung (forsa, 2015; Verbraucherzentrale Bundesverband, 2017; Buxel/Auler, 2017). Fleischereiverbände fordern eine klare, auch namentliche Abgrenzung zu den traditionellen Fleisch- und Wurstwaren (Deutscher Fleischer-Verband, 2016; Deutscher Fleischer-Verband, 2017). Tier- und Umweltschützer setzen sich für eine starke Verbreitung vegetarischer und veganer Lebensmittel und Lebensweise ein (Strecker, 2015). Einige Wissenschaftler hingegen zweifeln hin und wieder an, ob eine solche Ernährungsweise auf Dauer gesund ist (Richter et al., 2016; Melina et al., 2016). Nicht zuletzt Politiker versuchen zwischen den verschiedenen Interessensgruppen einen Konsens zu schaffen (Andriukaitis, 2016; Sommer, 2016; SPD, 2016; Drobinski-Weiß, 2016; Kauder et al., 2016).

Unter anderem auf Grund dieser komplexen Situation hat sich bislang weder in Deutschland noch auf europäischer Ebene eine offizielle, rechtlich festgesetzte Definition der Begriffe „vegan“ und „vegetarisch“ etabliert (VSMK, 2016c; Schulze, 2018). Solch eine rechtlich bindende, einheitliche Definition würde die Grundlage für normierte Kennzeichnungsregelungen vegetarischer und veganer Lebensmittel schaffen. Die Bezeichnung und Aufmachung entsprechender Erzeugnisse erfolgt derzeit auf Basis allgemeiner oder spezieller europäischer und nationaler Vorschriften, sowie der Orientierung an Gerichtsentscheidungen (Gerdes et al., 2018; Schulze, 2018). Dieser Zustand stellt allerdings für keinen der Akteure der betroffenen Branche eine zufriedenstellende Lösung dar, sondern bedingt im Gegenteil sogar einige Herausforderungen, da keine Rechtssicherheit für Rechtsanwender und keine zuverlässige Orientierung für Verbraucher gegeben ist (Strecker, 2015).

Um die Tragweite und den Stellenwert verschiedener Diskussionsstandpunkte unterschiedlicher Parteien nachvollziehen zu können, werden im Folgenden verschiedene Aspekte des Phänomens Vegetarismus/Veganismus und dessen Motive erläutert. Da im Fokus der Kennzeichnungsdebatte vor allem Fleisch- und Wurstersatzprodukte stehen, soll zudem näher betrachtet werden, was solche Ersatzprodukte ausmacht, wie sie sich zusammensetzen und ob aus ernährungsphysiologischer Sicht eine Ernährung mit Ersatzprodukten empfehlenswert scheint.

Ein zentrales Thema der vorliegenden Arbeit stellt die Ausführung der rechtlichen Rahmenbedingungen der Kennzeichnung vegetarischer und veganer Lebensmittel sowie die in diesem Zusammenhang bereits getroffenen Maßnahmen und Entwicklungen auf nationaler und europäischer Ebene dar. Außerdem werden insbesondere die Herausforderungen erläutert, die sich in Anbetracht der andauernden Diskussion um die Kennzeichnung vegetarischer und veganer Lebensmittel für verschiedene Akteure der Lebensmittelbranche ergeben.

Zuletzt sollen Handlungsoptionen aufgezeigt werden, die für verschiedene Interessensgruppen eine Möglichkeit darstellen, ihren Standpunkt in Deutschland und der EU einzubringen und an das Tätigwerden der Legislative zu appellieren.

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